pfingsten
.
es pfingstelt.
jaja, jener feiertag,
an dem anno schnee vom himmel fiel,
was später als aufwärts-tauben abgebildet wurde.
manchmal waren es auch kleine flämmchen.
in jedem fall aber sprachen die begnadeten
plötzlich kauderwelsch.
und vision hatten sie außerdem.
seitdem ist eine menge wasser
den jordan hinuntergetröpfelt.
wer heute 'vision' in den mund nimmt,
steht flugs unter verdacht 'realitätsverlust'.
zumindest vordergründig.
seien wir ehrlich:
wenn das wort 'vision' fällt,
denken wir spontan an kompensierende phantasien
von hold schimmernder weiblichkeit in blauem gewand,
ausgezehrte mannen irgendwo in der wüste,
kritische geister springen direkt zum bombenattentat.
'vision' ist heutigerdings ein bah-wort.
so eines, das niemand mehr benutzt,
der seine sinne halbwegs beinander hat.
tja, die neuzeit hat eben enge grenzen.
für mytizismus ist da kein platz,
geschweige denn für höhere wahrheit.
wie ich dazu stehe?
na, küchentischtauglich - wie denn sonst?
mein leid ist hehr,
mein schmerz ist groß -
aber sobald beides halbwegs überstanden ist,
schlachte ich es gnadenlos aus,
auf dass es dort helfe,
wo noch mittendrin gestanden wird.
wofür sonst soll's gut sein,
wenn nicht um zu zeigen,
was angesichts tiefsten infernos
immer noch und wieder geht?
licht ist die perspektive und das ziel,
und nicht dramatisch eingefrorene tragik.
wer nicht genug humor mitbringt,
der muss eben weinend verharren -
bis zum nächsten oder übernächsten mal.
that's the way, wie das universum lacht.
ach ja, um pfingsten geht's ja -
das fest der erleuchtung.
wieso nur fällt mir dazu
beständig das lachende sutra ein?
vielleicht, weil ich lachhafte tragik
einfach nicht ernst nehmen kann.
in china war's der affengott,
der respektlos ad absurdum führte.
entgeisterte apostel
waren davon leider weit entfernt.
sie brachten jenen ernst in die welt,
den nur qualvoller tod
adäquat illustrieren kann.
vorher wurde auch schon gestorben -
nicht eben selten qualvoll.
später sowieso.
doch erst die märtyrer
verhalfen dem tod zu jenem gewicht,
das heute noch erfolgsgarantie
für nachmittägliche talk-shows ist.
insofern hat sich zwar
am altbewährten 'füttert die löwen'
nichts geändert, jedoch
genießt die tragik übermächtiges gewicht.
eben saß ich über pasta und sinnierte.
darüber, mit welchem recht ich
über die welt und mein leben
so denke und handle.
nicht, dass ich mir diese frage stelle -
sie wird mir nur regelmäßig angediehn.
und ohne antwort abzuwarten,
darob befunden,
dass ich nicht zurechnungsfähig sei.
da saß ich also und sinnierte,
während ich mit der gabel
die marinara sortierte -
ärmchen zu köpfchen
zu müschelchen zu krabb.
und konnte nicht anders als schmunzeln.
weniger geprüfte: verzeiht mir dies.
doch bedenkt:
kaum ein spiel der gewalt,
das ich nicht kenne.
schmerz und leid - ach so vertraut.
einsamkeit und demütigung -
ich weiß um euch.
tatsächlich hab ich alles recht der welt
auf unheilbare depression verdient.
und nachsicht und schonung und
was weiß ich noch welchen weichspülgang.
redlich verdient.
und sitze hier und grins vermessen
in mein essen.
welch affront!
gegen weniger und schmerzfreier
und bequemer und überhaupt
gegen alles, was auf tragik besteht,
während es angehaucht zu übermacht stilisiert.
und natürlich vom rest der welt erwartet,
dass er bittschön all das
ebenso wichtig nehmen möcht.
ich beiße in ärmchen
und lutsche müschelchen,
genieße dazu viertel liter wein.
und denke an jene,
die mir gewalt antaten -
sowohl als auch nicht unerheblich.
und kann nicht anders,
als dem himmel danken,
dass er mir verstand und herz
und auch noch marinara schenkt.
kaum ein abgrund, den ich nicht kenne.
wie könnt ich über mulden weinen,
wenn doch mein ganzes sinnen
darauf ausgerichtet ist,
weg aus der tiefe zu finden?
es tut mir nicht leid,
dass ich nicht mitjammern kann.
vision - welch unheiliges wort.
zumindest in dieser zeit.
für mich ist es bodenständig -
erfahren, wissend und sehend zugleich.
wo ich durchgehen kann,
können es andere auch -
mitteilen und transparent machen,
veranschaulichen, was wo wie geht.
darin liegt tiefer sinn.
und wenn wer stehen bleibt,
weil er meint,
so und nicht anders müsste es sein,
dann muss es für ihn so sein,
darüberhinaus für nichts.
wer nicht mitgehen will,
muss auf den nächsten bus warten.
solange, bis er endlich selber will.
dann aber
kann nichts mehr ihn aufhalten.
er geht dann einfach
und blickt lächelnd zurück.
nicht jenen, welche gehn
fehlt es an sinn für wirklichkeit.
die buschhocker sind es
und festklammerer,
die darauf-besteher und gemeißelt-in-stein,
welche den anschluss verpassen.
und derweil hilflose fähnchen schwenken,
auf denen steht:
ihr da, die ihr geht - ihr seid schuld!
soviel zu pfingsten und fremden zungen.
alles relativ - je nach dem, wo man steht.
oder eben geht.
es pfingstelt.
jaja, jener feiertag,
an dem anno schnee vom himmel fiel,
was später als aufwärts-tauben abgebildet wurde.
manchmal waren es auch kleine flämmchen.
in jedem fall aber sprachen die begnadeten
plötzlich kauderwelsch.
und vision hatten sie außerdem.
seitdem ist eine menge wasser
den jordan hinuntergetröpfelt.
wer heute 'vision' in den mund nimmt,
steht flugs unter verdacht 'realitätsverlust'.
zumindest vordergründig.
seien wir ehrlich:
wenn das wort 'vision' fällt,
denken wir spontan an kompensierende phantasien
von hold schimmernder weiblichkeit in blauem gewand,
ausgezehrte mannen irgendwo in der wüste,
kritische geister springen direkt zum bombenattentat.
'vision' ist heutigerdings ein bah-wort.
so eines, das niemand mehr benutzt,
der seine sinne halbwegs beinander hat.
tja, die neuzeit hat eben enge grenzen.
für mytizismus ist da kein platz,
geschweige denn für höhere wahrheit.
wie ich dazu stehe?
na, küchentischtauglich - wie denn sonst?
mein leid ist hehr,
mein schmerz ist groß -
aber sobald beides halbwegs überstanden ist,
schlachte ich es gnadenlos aus,
auf dass es dort helfe,
wo noch mittendrin gestanden wird.
wofür sonst soll's gut sein,
wenn nicht um zu zeigen,
was angesichts tiefsten infernos
immer noch und wieder geht?
licht ist die perspektive und das ziel,
und nicht dramatisch eingefrorene tragik.
wer nicht genug humor mitbringt,
der muss eben weinend verharren -
bis zum nächsten oder übernächsten mal.
that's the way, wie das universum lacht.
ach ja, um pfingsten geht's ja -
das fest der erleuchtung.
wieso nur fällt mir dazu
beständig das lachende sutra ein?
vielleicht, weil ich lachhafte tragik
einfach nicht ernst nehmen kann.
in china war's der affengott,
der respektlos ad absurdum führte.
entgeisterte apostel
waren davon leider weit entfernt.
sie brachten jenen ernst in die welt,
den nur qualvoller tod
adäquat illustrieren kann.
vorher wurde auch schon gestorben -
nicht eben selten qualvoll.
später sowieso.
doch erst die märtyrer
verhalfen dem tod zu jenem gewicht,
das heute noch erfolgsgarantie
für nachmittägliche talk-shows ist.
insofern hat sich zwar
am altbewährten 'füttert die löwen'
nichts geändert, jedoch
genießt die tragik übermächtiges gewicht.
eben saß ich über pasta und sinnierte.
darüber, mit welchem recht ich
über die welt und mein leben
so denke und handle.
nicht, dass ich mir diese frage stelle -
sie wird mir nur regelmäßig angediehn.
und ohne antwort abzuwarten,
darob befunden,
dass ich nicht zurechnungsfähig sei.
da saß ich also und sinnierte,
während ich mit der gabel
die marinara sortierte -
ärmchen zu köpfchen
zu müschelchen zu krabb.
und konnte nicht anders als schmunzeln.
weniger geprüfte: verzeiht mir dies.
doch bedenkt:
kaum ein spiel der gewalt,
das ich nicht kenne.
schmerz und leid - ach so vertraut.
einsamkeit und demütigung -
ich weiß um euch.
tatsächlich hab ich alles recht der welt
auf unheilbare depression verdient.
und nachsicht und schonung und
was weiß ich noch welchen weichspülgang.
redlich verdient.
und sitze hier und grins vermessen
in mein essen.
welch affront!
gegen weniger und schmerzfreier
und bequemer und überhaupt
gegen alles, was auf tragik besteht,
während es angehaucht zu übermacht stilisiert.
und natürlich vom rest der welt erwartet,
dass er bittschön all das
ebenso wichtig nehmen möcht.
ich beiße in ärmchen
und lutsche müschelchen,
genieße dazu viertel liter wein.
und denke an jene,
die mir gewalt antaten -
sowohl als auch nicht unerheblich.
und kann nicht anders,
als dem himmel danken,
dass er mir verstand und herz
und auch noch marinara schenkt.
kaum ein abgrund, den ich nicht kenne.
wie könnt ich über mulden weinen,
wenn doch mein ganzes sinnen
darauf ausgerichtet ist,
weg aus der tiefe zu finden?
es tut mir nicht leid,
dass ich nicht mitjammern kann.
vision - welch unheiliges wort.
zumindest in dieser zeit.
für mich ist es bodenständig -
erfahren, wissend und sehend zugleich.
wo ich durchgehen kann,
können es andere auch -
mitteilen und transparent machen,
veranschaulichen, was wo wie geht.
darin liegt tiefer sinn.
und wenn wer stehen bleibt,
weil er meint,
so und nicht anders müsste es sein,
dann muss es für ihn so sein,
darüberhinaus für nichts.
wer nicht mitgehen will,
muss auf den nächsten bus warten.
solange, bis er endlich selber will.
dann aber
kann nichts mehr ihn aufhalten.
er geht dann einfach
und blickt lächelnd zurück.
nicht jenen, welche gehn
fehlt es an sinn für wirklichkeit.
die buschhocker sind es
und festklammerer,
die darauf-besteher und gemeißelt-in-stein,
welche den anschluss verpassen.
und derweil hilflose fähnchen schwenken,
auf denen steht:
ihr da, die ihr geht - ihr seid schuld!
soviel zu pfingsten und fremden zungen.
alles relativ - je nach dem, wo man steht.
oder eben geht.
Sun-ray - 10. Mai, 21:11
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