flamme an
.
natürlich kann sich mensch ein mahnmal setzen -
gar keine frage.
wenn er auf nummer sicher gehn will,
schnitzt er gleich ein grabmal draus.
so eins, unter dessen kühlem stein
sich innig seufzend im leid der welt,
mehr aber noch im eigenen
suhlen und hausen lässt.
er kann inschrift hineinmeißeln:
so und nicht anders hab ich entschieden -
denn man ließ mir keine wahl.
und insgeheim davon träumen,
dass jemand vorbeikommt,
der ehern verewigtem beschluss
schlichtweg keinen glauben schenkt,
stattdessen fröhlich lacht und kräht:
komm raus aus deinem schneckenhaus -
da wartet leben auf dich!
selbstverständlich würde er,
also der grabbauer -
dem erst mal
mit äußerstem misstrauen begegnen.
schließlich geht's um leid und ehre
und nicht zuletzt um ein mahnmal,
von dem er beschloss,
dass er das nun sei.
er möchte überzeugt werden -
am liebsten mit brief und siegel.
so überzeugend überzeugt,
dass der entschluss, rauszukommen,
ebenfalls zum grabspruch passt.
vorher tut er keinen schritt -
das ist er sich schuldig.
aber so funktioniert das nicht.
mag sein, der dort draußen kräht,
hat jede menge geduld und zuversicht.
dann wird er immer wieder trällern -
auf täglichem spaziergang.
aber ganz sicher nicht
lager vorm mahnmal beziehn.
mag der grabhäusling
dies auch als affront betrachten,
tatsächlich ist es
zeichen des respekts.
man muss warten können,
bis sich jemand
von allein entschließt,
nicht länger moos anzusetzen -
nicht, weil er nicht anders kann,
sondern weil er anders will.
sonst schleppt man sich
nämlich mit scheintotem ab.
das aber darf, weil will nicht sein.
zum glück geht's dem sommer entgegen .....

:o)
natürlich kann sich mensch ein mahnmal setzen -
gar keine frage.
wenn er auf nummer sicher gehn will,
schnitzt er gleich ein grabmal draus.
so eins, unter dessen kühlem stein
sich innig seufzend im leid der welt,
mehr aber noch im eigenen
suhlen und hausen lässt.
er kann inschrift hineinmeißeln:
so und nicht anders hab ich entschieden -
denn man ließ mir keine wahl.
und insgeheim davon träumen,
dass jemand vorbeikommt,
der ehern verewigtem beschluss
schlichtweg keinen glauben schenkt,
stattdessen fröhlich lacht und kräht:
komm raus aus deinem schneckenhaus -
da wartet leben auf dich!
selbstverständlich würde er,
also der grabbauer -
dem erst mal
mit äußerstem misstrauen begegnen.
schließlich geht's um leid und ehre
und nicht zuletzt um ein mahnmal,
von dem er beschloss,
dass er das nun sei.
er möchte überzeugt werden -
am liebsten mit brief und siegel.
so überzeugend überzeugt,
dass der entschluss, rauszukommen,
ebenfalls zum grabspruch passt.
vorher tut er keinen schritt -
das ist er sich schuldig.
aber so funktioniert das nicht.
mag sein, der dort draußen kräht,
hat jede menge geduld und zuversicht.
dann wird er immer wieder trällern -
auf täglichem spaziergang.
aber ganz sicher nicht
lager vorm mahnmal beziehn.
mag der grabhäusling
dies auch als affront betrachten,
tatsächlich ist es
zeichen des respekts.
man muss warten können,
bis sich jemand
von allein entschließt,
nicht länger moos anzusetzen -
nicht, weil er nicht anders kann,
sondern weil er anders will.
sonst schleppt man sich
nämlich mit scheintotem ab.
das aber darf, weil will nicht sein.
zum glück geht's dem sommer entgegen .....

:o)
Sun-ray - 11. Mai, 12:41
3 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
Sun-ray - 11. Mai, 14:28
fällt mir doch eben in dem zusammenhang noch ein:
deutschland ist ja ein land des vereinswesens.
mir scheint, den flächendeckend größten verein
stellen immer noch grabpflegende heldenverehrer.
an den mahnmalen treuteutsch gefallener
weinten früher witwen und waisen -
heute sinds gothic-fans,
die sich dort gegenseitig streichellausen.
zum phänomen siechender heldenverehrung
gibt's übrigens feine geschichte von arik brauer -
jenem künstler mit dem göttlichen humor:
sie heißt 'hoppa, hoppa, reiter'
und findet sich nebst vielen anderen
hinreißenden erzählungen in "die zigeunerziege".
und jetzt muss ich endlich meine
wäscheberge wegräumen ..... hmpf .....
deutschland ist ja ein land des vereinswesens.
mir scheint, den flächendeckend größten verein
stellen immer noch grabpflegende heldenverehrer.
an den mahnmalen treuteutsch gefallener
weinten früher witwen und waisen -
heute sinds gothic-fans,
die sich dort gegenseitig streichellausen.
zum phänomen siechender heldenverehrung
gibt's übrigens feine geschichte von arik brauer -
jenem künstler mit dem göttlichen humor:
sie heißt 'hoppa, hoppa, reiter'
und findet sich nebst vielen anderen
hinreißenden erzählungen in "die zigeunerziege".
und jetzt muss ich endlich meine
wäscheberge wegräumen ..... hmpf .....
turntable - 12. Mai, 15:03
man kann dem scheintoten aber auch helfen den ersten schritt zu tun, denn dies ist oft der schwerste und er tut sich leichter wenn er weiß, daß ihn jemand stützt wenn er taumelt.
grüße
grüße
Sun-ray - 16. Mai, 20:50
es gibt unterschied zwischen tot und scheintot.
scheintot bedeutet, es steckt noch leben drin.
leben aber möchte leben.
man zieht niemanden aus dem grab,
der sich nicht nach leben sehnt.
und dem, welcher sich sehnt,
ist aufrichtiges trällern genug, um 'hier' zu winken.
erst dann macht handreich sinn -
vorher beschwört solcher nur zombietum.
sorry, aber das leben lehrte mich,
dass totenerweckung minimalanforderung bedarf.
nachgeschmissenes leben bedeutet tod.
grüße meinerseits an dich!
scheintot bedeutet, es steckt noch leben drin.
leben aber möchte leben.
man zieht niemanden aus dem grab,
der sich nicht nach leben sehnt.
und dem, welcher sich sehnt,
ist aufrichtiges trällern genug, um 'hier' zu winken.
erst dann macht handreich sinn -
vorher beschwört solcher nur zombietum.
sorry, aber das leben lehrte mich,
dass totenerweckung minimalanforderung bedarf.
nachgeschmissenes leben bedeutet tod.
grüße meinerseits an dich!


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