Sonntag, 11. Mai 2008

mötterliches

.
also meinereine genießt ja das große glück,
einer muttertagsverachtenden sippe zu entstammen.
kein stress um neurotisch gekühlte blumen,
die termingerecht geliefert werden müssen.
tatsächlich fiel's mir erst eben wieder ein:
ach ja, heut ist ja muttertach!
na, da bring ich doch mal ein ding
und ruf junior an, um ihm
zu seinem gemütter zu gratulieren!
er war schneller.
mist, hat mir die ganze schöne show geklaut.
aber es geht ihm gut. und mir auch.
und er liebt mich. ich ihn sowieso.
wird wohl doch august, bis er kommt.
nun denn - ich freu mich schon drauf .....
und werd leider blank sein wie lumpi.
sei's drum.
hauptsache, ich kann ihn mal wieder sehen.
und durch die haare zauseln und überhaupt
mit ganz viel liebender albernheit entzücken.
manchmal fehlt er mir sehr.

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Sun-ray - 11. Mai, 23:14

und daran häng ich jetzt einfach mal
kleine erörterung von stilfragen.
passend zu holly cole, deren timbre
golden durch selbstbewussten raum tropft.



stil - was ist das eigentlich?
ich sage: lebenshaltung.
zeitlos geschlechts- und trendübergreifende.
wer stil hat, weil er ihn für wesentlich hält,
kann sich in jedem raum bewegen.
und wird in jedem raum
menschen mit herz und rückgrat
von bloßer mitläuferschar spalten.
unweigerliche begleiterscheinung.

stil ist gleichermaßen eine frage
des herzens wie des verstandes.
und ich behaupte:
stillosigkeit das zeichen allen untergangs.
neulich unterhielt ich mich mit schölern
über das thema markenfabrikate.
als ich ihnen eröffnete,
dass ich aus sämtlichen solchen
umgehend das firmen-emblem entferne,
schauten sie mich so überaus erstaunt an.
ich bin ich und gehe vor, sagte ich ihnen.
und niemals degradiere ich mich zum werbeträger.
ob sie je verstehen, was ich meine?
ich hoffe es.

stil ist keine frage von attributen,
sondern der art und weise,
wie man sich trägt -
egal, was man trägt.
gilt in ausnahmslos allen belangen.
die meisten mitläufer finden sich dort,
wo gekräht wird, man sei anders.
und doch nur tupperparty zelebriert.

ich erinnere gertrud.
eine betagte asthmatische dame -
poetin ohne mittel und ansehen.
sie stand im regen unter nächtlicher laterne,
die brillengläser waren blind und dick,
wasser rann ihr aus strähnig grauem haar.
da stand sie, keuchte und strahlte mich an:
wissen Sie, ich mag regen -
er ist so unendlich schön.
diese dame hatte stil.

ich weiß um einen mann,
dem angelegentlich ist,
dass niemand in seiner nähe
sein gesicht verliert.
er hat stil.

und ich denke an tony,
der seit 35 jahren menschen bedient.
immer freundlich, immer auf trab -
auch dort, wo ihm plump begegnet wird.
er hat ebenfalls stil.

ich denke an eine junge frau,
die eher sich richtet,
als dass sie jemandem weh tut,
der verdient hätte,
dass man ihm weh tut.
ihre schuhe haben löcher,
aber sie hat stil.

und ich denke an einen mann,
der mich gerne beißen würde,
mir stattdessen jedoch
seine schmunzelaugen
und marienkäfer in der linde zeigt.
auch er hat stil.

ebenso hatte ihn der obdachlose schäfer,
dessen namen ich vergaß.
nicht jedoch sein gesicht,
als er mich anleuchtete,
während ich seine hand hielt -
damals auf dem asphalt.

meine mum -
sie mag sein, wie sie will.
natürlich hat sie schwächen.
aber sie arbeitet unaufhörlich an sich -
mit stil.
sie gab ihn mir mit.

wer keinen stil hat,
den erkenn ich sofort.
anhand dessen, wie er etwas tut.
ich kann stillosem begegnen - ja.
auch das ist ein aspekt des stils.
aber tief berühren wird es mich nie.
denn echter stil kommt von herzen,
von dort, wo nichts und niemand kräht.
nicht nach ansehen noch applaus,
nach ich-bin-wichtig
oder schau-nur-was-ich-bin.
stilvermögen ist die kraft,
die über alles erhebt,
was unwesentlich ist.

stil hat auch einen spaßigen effekt:
man kann tun, was man will.
denn alles ist wahr und darum nichts heilig,
und nichts ist heilig, weil alles wahr.
stil kümmert sich um kommaregeln,
außer er kümmert sich nicht darum.
und zeigt haut,
wo er es für richtig, weil wichtig befindet.
die haut selbst ist ihm egal.
stil ist das geheimnis jeden erfolgs,
den das leben selbst schreibt -
statt bedeutungsloser berichterstatter.
er schwelgt nicht, sondern gibt sich hin.
mit bestem wissen und gewissen stilvoll.

stillosigkeit existiert nur -
ansonsten hat sie keine bedeutung.
und ihre kleinen konsequenzen
sind darum sekundär.

Sun-ray - 11. Mai, 23:19

der schäfer hieß rolf.
Sun-ray - 11. Mai, 23:53

yauh - manchmal bin ich richtig gut.
korrigiere:
manchmal bin ich offensichtlich richtig gut.
grins
schneck06 - 12. Mai, 00:01

man kann FAST alles tun, was man will, möchte ich flink hinzufügen. was man tun kann, und was nicht, und dieses in welchen momenten oder nichtmomenten, das gehört zum schtil. dann, ja dann kann man in der tat tun, was man will. und manchmal haben auch stilfehler den stil von hintan. das weiss man dann aber erst hinterher, wenn man den ersten stein warf oder dieser einen getroffen hat. insofern ist vieles gut, auch wenn es nicht so scheint.
Sun-ray - 12. Mai, 00:09

nu schaun Sie doch nur mal
auf mein strahlendes lächeln:
:o))

ps: also ich kann alles tun, was ich will.
warum denkst du, dass du nicht?
schneck06 (anonym) - 12. Mai, 01:48

weil ich um 6 aufstehen muss.
steppenhund - 12. Mai, 08:52

Das mit der Stilfrage ist schön behandelt. Ich frage mich, ob der Stil nicht einfach eine Verkleidung der Authentizität ist. Oder nein, keine Verkleidung. Besser eine Manifestation einer sonst ja schwer erkennbaren Eigenschaften, wenn man einem Menschen nur kurz begegnet.
Aber es stimmt - Stil kann einem auf vielerlei Weise begegnen.
-
Aber ich spiele die Polovetzer Tänze und denke dabei an sie - wegen der früher angesprochenen Frage der Übermittlung von Gefühlen in der Kunst.
-
BTW, Sind das Sie auf dem Bild links?
Blöde Frage, natürlich, wie ich jetzt anhand der Bildbezeichnung erkennen kann. Aber ich musste ganz schön lang auf refresh drücken, bis es wiederkam.
Und es kam nicht. Aber dann gibt es ja noch eine Galerie mit nur zwei Bildern.
Meine Komplimente allerdings schreibe ich nicht öffentlich;)
Sun-ray - 12. Mai, 10:29

fürwahr ein grund, an dem es allenfalls
mikrobisch zu rütteln gibt, lieber schneck.
:o)
Sun-ray - 12. Mai, 10:38

einen schönen guten morgen, lieber steppenhund!
hiesig begrüße ich ihn mit tubular bells -
über gebühr laut, weil man es anders nicht hören darf.
musik, die ich sehr lange nicht zu hören wagte,
weil damit wundervolle, jedoch nicht ganz schmerzfreie
tanzerinnerungen einhergehen.
und auch jetzt ist es unmöglich, dabei stillzuhalten.
so harre ich denn der ersten nachbarschaftsbeschwerde
über zu lauten klang in meinen hallen.
gute güte, ist das schööön ......

ich stimme dir zu:
stil und authentizität sind untrennbar aneinander gebunden.

ich weiß ja nicht, welches bild genau du sahst -
ahne es höchstens.
wenn es eins mit weiblichkeit drauf war,
steht die wahrscheinlichkeit, dass es die meine zeigt,
jedoch bei ca. 98 %.
für die gedachten komplimente herzlichen dank. ;o)
Sun-ray - 12. Mai, 00:57

and last not least war ich am briefkasten
und stelle fest:
der tag neigt sich bzgl. mehrerer orte
hoffnungsfroh seinem ende.

gute nacht, welt - man sieht sich ..... :o)

licht - schatten

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