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Inspiration funkt ja so:
Mensch nimmt sinnlich wahr,
lässt sacken und wartet geruhsam,
was das mit ihm macht.
Oft macht's ganz unverhofftes mit ihm.
Dann keimt da plötzlich was,
verbindet sich mit anderem
und eh sich Mensch versieht,
staunt er plötzlich über Pflänzchen,
welches fröhlich eigenmächtig
durch ihn hindurch ans Licht räkelt.
Gestern betrachtete ich ein Bild.
Eines, von dem ich instinktiv wusste,
dass es etwas mit mir machen würde.
Nachdem ich es vertrauensvoll
Synapsen und Unterbewusstsein
zur Hege und Pflege überließ,
hat's tatsächlich gerade Keimling geschoben.
Wachstumshormon war u.a.
dieser wundervolle Beitrag von Frau Tja.
(Sie hat's aber auch drauf,
immer wieder zu entzücken .....
Anmerkung entzückter Setzerin)
Hmhmhm - wie krieg ich für das Pflänzchen,
welches ganz eigenartiges ist,
jetzt bloß passenden Topf? Mal gucken.
Ich fang am besten mit dem inspirierenden Bild an.
Es trägt den Titel "Haus sagt Nein".
Beim Draufschauen dachte ich spontan:
'Och - schade eigentlich .....
hätt ihm gut zu Gesichte gestanden,
Ja zu sagen. So bleibt es halt Trutzburg.'
Vorhin nun ging mir plötzlich durch den Kopf,
dass die Medaille ja auch eine Kehrseite hat.
Neinsagen ist bekanntlich eine Kunst,
die längst nicht jedem auf Anhieb gelingt.
Manches mal muss man sie verdammt lang üben.
Was nicht an der Phonetik liegt,
sondern am begleitenden Fahrwasser des Neinsage-Aktes.
Besonderen Tiefensog hat dieses dort,
wo Trutzburg herrscht,
die man eigentlich nie haben wollte.
Irgendwie ist man halt zu ihr gekommen -
ein bisschen wie die Jungfrau zum Kind.
Zumeist besteht ihr Mauerwerk aus
Enttäuschung, Verpasstem, Angst und Unsicherheit.
Wer will denn sowas haben? Niemand.
Also beschließt man so wacker wie planlos,
aus dröge dräuendem Mauerwerk
lebensoffenes Selbstzuhause zu machen.
Größtes Problem dabei ist,
zu erkennen, was man tunlichst behält
und wovon man sich besser flink trennt.
Man hat noch nie zuvor solches Projekt unternommen
und steht entsprechend ratlos davor.
Klar gibt's da eine Innenstimme,
und man weiß auch, dass die der Wegweiser ist.
Aber herrje, im Moment kräht die vor allem,
was man nicht will - nienienie wieder.
Quasi Auftakt zum Alternativplan,
aber noch lange nicht solcher.
Während man also noch steht und guckt
und bisschen sehr orientierungslos wirkt,
taucht plötzlich rege interessierte Gesellschaft auf.
Flugs werden Ratschläge erteilt,
bunte Bilder von irgendwelchen Villen gezückt,
Unterstützungsbereitschaft und Mithilfe signalisiert.
Boah ey - die Welt ist doch gut!
Dankbar hört man dem einen wie dem anderen zu,
nimmt sich all die wertvollen Erfahrungswerte
und essentiellen Anregungen angemessen zu Herzen
und ist im übrigen einfach nur froh,
nicht mehr allein vor dem Trutzdingens zu stehen.
So viele nette Menschen.
Und alle meinen es gut mit einem,
haben scheinbar nur darauf gewartet,
hilflosem Töffel auf Hausumbaubeine zu helfen. Toll!
Was passiert dann?
Nun, das Trutzdingens mag sein wie es will -
es ist und bleibt das eigene.
Und längst nicht alles an ihm ist grundverkehrt.
Eigentlich das wenigste.
Im Grunde genommen bräuchte man
nur hie und da neuen Durchbruch schaffen,
das ein oder andere Fenster vergrößern
und das ganze fröhlich begrünen.
Stattdessen sieht man sich plötzlich
mit Entkernungsvorhaben konfrontiert,
das vieles verspricht, was man sich nur
bedingt vorstellen kann.
Doch die hilfsbereiten Fachleute um einen her
schwärmen so überzeugend von Totaloperation,
dass man sich mit den eigenen Bedenken
fast noch kleiner vorkommt als noch kurz zuvor.
Also lässt man sich drauf ein.
So, und an genau der Stelle
spann ich jetzt den Bogen zum Zwist
zwischen Delacroix und Ingres.
Ersterer ein Virtuose des Farbenrausches,
letzterer einer der ausdrucksvollen Linienperfektion.
Der Krieg, den sie darob inszenierten,
mag ihnen beiden zwischenzeitlich
letzten Nerv geraubt haben -
mit etwas Abstand, den sie ja wohl
in tiefstem Innern auch beide hatten,
war er einfach nur unterhaltsames Spektakel.
Viel bemerkenswerter als Hähnchenkampf
scheint mir anderes zu sein.
Nämlich die Unterschiedlichkeit der Charaktere.
Für Herrn Ingres war die Linie
eine Frage der Ehre - ohne Wenn und Aber.
Nicht, weil er es irgendwann willkürlich beschloss,
sondern weil sein Wesen es so verlangte.
Selbst wenn er es anders gewollt hätte -
er war schlichtweg farbüberfordert.
Der Preis für die Sensitivität seines Zeichnens.
Und andersrum wird auch Schuh draus:
Herr Delacroix, der den Rausch der Farben
zum Leben benötigte wie die Luft zum Atmen.
Unvorstellbar, dass er auf sein Schwelgen verzichtete,
um sich detailverliebt Linienleidenschaft hinzugeben.
Jeder Versuch des einen wie des anderen,
vom eigenen Sosein abzuweichen,
wäre Vergewaltigung des jeweiligen Selbst gleichgekommen.
Schlichtweg undenkbar, hätte doch solche
Nein-Verweigerung beide Potentiale verhindert.
Insofern haben die beiden echten Geniestreich gelandet.
Jeder für sich entwickelte unbeirrbar seine Virtuosität.
Und aus der Unterschiedlichkeit schnitzten sie
unterhaltsames wie marketingträchtiges Spektakel,
das ihnen Ansporn und den Zuschauern Gaudi war.
Ob sie sich dessen bewusst waren?
Vermutlich im Eifer jeweiligen Gefechts nicht -
Authentizität, die Unterhaltungswert
wie Schaffenskraft zugute kam.
Aber insgeheim wussten sie um ihre Gleichrangigkeit.
Um meinen Bogen restzuspannen:
Die Crux liegt nicht in der unterschiedlichen
Vorstellung von Umbaumaßnahmen.
Auch nicht darin, wer schon Umbauerfahrung hat bzw. nicht.
Crux fällt erst dann an, wenn man der
vorübergehend orientierungslosen Innenstimme
weniger über den Weg traut,
als vermeintlichen Ratgebern und Wegbereitern.
An der Stelle braucht es selbstbewusstes Nein.
Ohne dieses kann's kein amüsantes Spektakulum
am Bauzaun geben. Und ohne solches
landen alle Beteiligten in niederdrückendem Ernst.
Den wiederum braucht man noch weniger
als vorhandene Trutzburg, die so ja noch trutziger wird.
Ha! Ich krieg sogar ein Fazit hin!
Nämlich dieses: Komme, was da wolle -
Nein sagen ist ungeheuer wichtig.
Und es spricht rein gar nichts dagegen,
sich selbst als tragendes Element
des eigenen Gesamtkunstwerks zu verstehen -
genau so, wie man jeweils ist.
Dadurch schenkt man dem Werk Gehalt,
auf den dieses sonst keine Chance hätte.
Inszenierungen, die vom biederen Ernst wegführen,
indem sie solchen vorgeben, sind dabei unverzichtbar.
Diese Welt ist nun mal ein Theater.
Und jeder Tag Premiere, die auch dann behagen mag,
wenn grade Drama auf dem Programm steht. :o)
Joah, nu bin ich durch - soweit ich sehe.
Vielmehr ist das Pflänzchen vom Anfang im Licht.