seelenpflege

so

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Bei Hoshi las ich vor geraumer Zeit folgenden Satz:
"Vertrauen wächst, wenn wir so reden, wie wir denken."

Ein Satz, dem ich vertrauen kann,
weil er sich mit allem deckt,
was ich für gut und sinnvoll halte.

nix godot

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und darum wart ich jetzt nicht länger
enervierend auf päckchen, das nicht kommt,
sondern brezel mich auf und
geh lebende klangwelten genießen .....

blickwinkel

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es gibt ihn, den grauen montagsklassiker,
den man am liebsten überspringen würde -
wissend, dass es nicht vor grauen
dienstags-sonntags-klassikern bewahrt.
da drüberhüpfen wie flüchten nicht geht
und mentalsumpfen keine brauchbare option ist,
stellt sich die frage,
wie möglichst konstruktiv damit umgehen.

erster schritt räumt ein,
dass das durchhängen nicht am montag liegt,
sondern konkrete ursachen hat.
nur welche?
also zunächst lage sichten und bereinigen,
was offensichtlich drückt -
verwaltungskram und so.
sorgt für spürbare erleichterung,
doch glücklich fühlt's noch immer nicht.

im zweiten schritt durchgehen,
was jüngst passiert ist,
das seelischen negativ-drive gab.
ja, da gibt's das ein oder andere,
das sich nicht gut anfühlt.
aber was davon sorgt für's tief?
schon möglich, dass alles zusammen,
doch zumeist gibt's einen hebelpunkt,
der alles andere mit ins fahrwasser zieht.

hinterhofgeschehen war hilfreich beim sichten.
dort findet echtes leben statt,
das klare sicht auf wesentliches
und unwesentliches öffnet.
die oper, die ein alptraum ist,
wird ohne mich stattfinden.
solch lieblosen dumpfsinn mag ich mir
einfach nicht antun (lassen).
schlimm genug, wenn der herr katalane
keinen anderen weg findet,
seinem schrägen seelenhaushalt zu begegnen -
meine schultern werden die last nicht
gewinnbringend uneffizient mittragen.
woll.

und ansonsten freu ich mich über
wunderschöne nachrichten von junior,
der wacker und wohlgemut seinen weg geht.
und meine schöler, die so schnuckelich eifrig sind.
sitzt doch da einer in der zehnten -
ein bär von kerl. nee, krafttraining macht er keins,
das format morpht von natur aus
jeden stuhl unter ihm zum stühlchen.
und so ein sensibles seelchen .....
gedicht zum interpretieren sollte er sich aussuchen.
und griff zielstrebig zu
'ich hab dich so lieb' von ringelnatz.
ich dich auch, sag ich, und drum
suchen wir jetzt nach dem metrum.
und: sach mal, wenn ich mal handfestes problem hab -
darf ich dich dann bitten, dich neben mich zu stellen?
mehr brauchts bestimmt nicht .....
klar, grinst er, immer - aber wer sollte
denn ausgerechnet Ihnen was tun?
Sie geben doch keinem grund dazu.

ich mag seine perspektive .....
und pita gyros auf kirchentreppe
beim amselabendkonzert mag ich auch.
wer braucht schon künstliches blut und drama,
wenn's leben doch viel besseres bietet?

zyklus macht sinn

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an anderer stelle ging es gerade um das thema menstruation, und weil dieses für mich ebenfalls mit dem loslassen künstlicher funktion zu tun, stelle ich meine gedanken dazu auch hier ein.
ausgangspunkt war die frage nach der ursache von schmerzen und / oder schlechter laune vor und während der menstruation. meine antwort darauf folgende:

Der weibliche Zyklus ist in erster Linie auf Fortpflanzung hin ausgerichtet. Soll heißen, jeden Monat bereitet er eine mögliche solche vor, indem er nicht nur ein Ei reifen lässt, das ggf. befruchtet wird, sondern auch dafür sorgt, dass die mögliche Frucht es kuschelich hat. Dazu baut sich in der Gebärmutter eine Schleimhaut auf, in die sich das Ei nach der Befruchtung einnisten kann. Im Fall einer Schwangerschaft bildet diese die Placenta, welche auch Mutterkuchen genannt wird. Sie schützt den Embryo vom ersten Tag an vor Stoßverletzungen und ermöglicht seine Versorgung.

Wird das Ei jedoch nicht befruchtet, erübrigt sich dieser Nährboden. Das unbefruchtete Ei geht ab, ohne dass es bemerkt wird. Bis sich die Schleimhaut löst, dauert es etwas länger. Zwischen Eisprung und vollständiger Ablösung der nicht benötigten Schleimhaut liegen ziemlich exakt zwei Wochen.

Natürlich sorgen die Hormone dafür, dass sich diese auflöst. Aber sie ist immerhin mit dem Körper verbunden, und damit dieser zuverlässig dem Zyklusgesetz folgen kann, ist es notwendig, dass sie komplett verschwindet. Überreste sind nicht im Plan vorgesehen. Der Körper unterstützt die eigenchemischen Vorgänge durch Kontraktionen der Gebärmutter. Indem sich diese immer wieder zusammenzieht, bewirkt sie mechanisch, dass sich die Schleimhaut löst. Dieses Zusammenziehen ist im Prinzip der selbe Mechanismus wie bei Wehen unter der Geburt. Entsprechend tut es oftmals weh. Es sind buchstäblich Krampfschmerzen - mal mehr, mal weniger ausgeprägt. Tatsächlich ist die Menstruation so etwas wie eine monatliche Totgeburt, nur, dass halt kein Leben geboren wird, sondern nicht benötigter Nährboden für's Leben. Darum geht während der Menstruation auch nicht nur flüssiges Blut ab, sondern eben auch Klümpchen.
Auch die Rückenschmerzen erklären sich so - hängt mit irgendwelchen Bändern zusammen, die die Gebärmutter halten. Wie das anatomisch genau aussieht, kann ich dir leider nicht sagen, weil ich keine Medizinerin bin.

Die schlechte Laune lässt sich natürlich mit Hormonen und/oder Schmerzen erklären. Aber im Grunde genommen ist damit gar nichts erklärt, weil es nichts über den eigentlichen seelischen Vorgang und dessen Sinn aussagt. Ich sehe es mittlerweile so: Leben will Leben hervorbringen - unabhängig davon, was Kopf und Umstände nahelegen. Darauf ist es ausgerichtet; bei uns Menschen jeden Monat neu. Und jede Nichtbefruchtung verfehlt dieses Ziel. Kann man rational darüber denken, wie man will, der Körper und damit auch die Seele registriert bei Nichtbefruchtung anstehende Totgeburt. Wäre schon recht seltsam, wenn das von Natur aus für Hochstimmung sorgen würde.

Es kommt aber noch ein weiterer Aspekt hinzu, der über den bloßen Fortpflanzungsgedanken hinausgeht. Wir gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass es sich bei dieser Stimmung um schlechte Laune handelt. Aus dem einfachen Grund, weil sie in unserer sehr leistungsorientierten und seelenvernachlässigenden Zeit eher unpassend, als sinnvoll erscheint. Kurz vor und auch während der Menstruation sind die meisten Frauen sehr viel empfindlicher als sonst. Sie neigen zu Gefühlsaus- und einbrüchen, reagieren oft unerwartet heftig und können bei Nachfragen nicht mal sagen, was genau mit ihnen eigentlich los ist. Soll heißen, wo kein Problem konkretisiert werden kann, lässt sich dieses auch nicht einfach zweckmäßig beseitigen. Was dazu führt, dass man sie in dieser Phase eben einfach als zickig bezeichnet und am liebsten in Ruhe lässt, um sich keinen Ärger einzuhandeln.

Mit dieser Schublade-auf-Schublade-zu-Haltung tut man nicht nur den Frauen, sondern vor allem auch dem Leben großes Unrecht. Man stelle sich nur vor, mit der Trauer über gestorbene Menschen würde genauso verfahren: Du bist traurig und wütend und hilflos und kannst deine Gefühle nicht rational in Worte fassen, geschweige denn abstellen und die Umwelt reagiert darauf, indem sie sagt 'Naja, ist halt zickig - wird schon wieder vorbeigehen'.

Natürlich lässt sich echter Todesfall und Menstruationsgeschehen nicht Eins zu Eins gleichstellen, aber das Prinzip ist das selbe. Wir sind alle eingebunden in ständiges Werden und Vergehen. Und damit auch in alle emotionalen Begleitumstände, die dieses grundlegende Perioden(kreislauf)system mit sich bringt. Unsere Gesellschaft dagegen ist linear ausgerichtet. Was nicht dem berechenbaren Fortschritt dient, wird darum als störend empfunden. Dieses Denken sitzt so tief, dass wir sogar Mutterschutzzeiten als Ausfallzeiten deklarieren, ohne uns bewusst zu machen, dass sie unmittelbar dem Fortbestand der Art dienen und darum im Gegensatz zu Nichtmutterschutzzeiten ganz und gar keine Auszeiten, sondern Hochleistungsphasen darstellen.

Nicht umsonst weiß man seit Menschengedenken, dass die Frauen das Lebenswissen in sich tragen. Dabei geht's nicht nur um Gebären an sich. Der weibliche Zyklus sorgt dafür, dass sie dieses Wissen Monat für Monat erleben - solange, bis sie es so tief verinnerlicht und soviel daraus gelernt haben, dass sie ihn nicht mehr brauchen. Das jedenfalls ist der eigentliche Plan.

Leider leben wir schon so lange in linear geprägten Denkmustern, dass sogar die Frauen vergessen haben, wie wichtig ihr Unterworfensein unter das ewige Stirb-und-Werde für alle ist. Sie sind mittlerweile selbst der Auffassung, dass sie zu ggb. Zeit eben einfach schlecht gelaunt sind und fertig aus. Wären sie sich und ihrer Rolle im Gesamt deutlicher bewusst, würden sie ihre jeweilige Verfassung anders sehen und werten. Und damit auch den Männern, mit denen sie zusammenleben, andere Sicht ermöglichen.

Jemand, der empfindlich ist, nimmt Dinge wahr, die sonst gern pragmatisch unter den Teppich gekehrt werden. Natürlich nimmt er sie in gewisser Weise auch überspitzt wahr, aber eben jene 'Überspitzung' verweist auf geschärfte Aufmerksamkeit. Wir alle kennen das übliche Beziehungselend, wenn Kleinigkeiten solange keine Beachtung geschenkt wird, bis sie sich zu Lawinen ausgewachsen haben, die niemand mehr aufhalten kann. Indem Frauen regelmäßig so empfindlich sind, dass ihnen schon vermeintliche Kleinigkeiten wie Katastrophe erscheinen, ermöglichen sie es, dass diese beizeiten auf den Tisch kommen und geklärt werden. Damit erweisen sie sich - anstrengend hin oder her - als Lawinenvermeider. Solange das aber nicht erkannt und respektiert, stattdessen nur auf vermeintlicher Schwäche und lästiger schlechter Laune rumgeritten wird, vertut man nicht nur die Chance, Lawinen zu vermeiden, sondern fördert sie noch. Das Ergebnis sind Kommunikationsunfähigkeit und beidseitig unterdrückter Frust, der so tief sitzt, dass er nicht nur unschöne Beziehungskatastrophen, sondern auch furchtbare Krankheiten bewirken kann.

Es gibt Völker, die dbzgl. sehr viel klüger sind als wir. Bei ihnen haben Frauen genau die Rolle inne, die ihnen von Natur aus zugedacht ist. Sie halten altes Wissen in Erinnerung und Achtung, weil sie sich bewusst ihrer selbst erinnern und sich achten. Und die Männer hören auf sie und bewegen sich mit ihnen in dem Lebensrhythmus, den sie vorgeben. Sowohl zermürbende Scheidungen wie auch Krebserkrankungen sind in diesen Völkern überaus selten. Die Tuareks sind beispielsweise so ein Volk. Bei ihnen käme niemand auf die Idee, den weiblichen Zyklus zu missachten, weil man künstliche Vorstellungen vom Leben für wichtiger hält.

Man ist sich inzwischen übrigens auch ziemlich sicher darüber, dass besonders solche Frauen ausdrücklich unter ihren Regelschmerzen leiden, die ihre Weiblichkeit nicht als anerkannten und respektierten Teil ihrer selbst empfinden. Es ist nämlich eher eine Empfindungsfrage, denn eine des tatsächlichen Schmerzmaßes. Das wiederum bestätigt mir meine eigene Erfahrung. Ich neige nämlich auch zu starken Krämpfen. Ist wie beim Gebären - wenn ich mich unbewusst dagegen wehre, ist der dennoch unvermeidliche Vorgang viel belastender, als wenn ich mich ihm hingebe und im vorgegebenen Rhythmus mitschwinge. Mein letzter Krampftag war zugleich auch Kampftag - eine Herausforderung jagte die nächste. Natürlich hatte ich mächtig Schmerzen, aber ich sagte mir: Okay, die Welt ist, wie sie ist - ich bin wie ich bin - heute gehe ich jede Aufgabe so an, wie mein Sosein es erlaubt. Bloß kein Dagegenkämpfen oder Hadern mit mir. Und siehe da, es war ein rundum erfolgreicher Tag. Die Bauchschmerzen waren da, aber nicht so, dass sie mich blockierten. Ich hatte Innenfrieden, die Schmerzen waren darüber völlig sekundär.

Zur Pille:
Jede Pille zerstört den natürlichen Rhythmus, indem sie dem Körper Schwangerschaft vorspielt, die nicht existiert. Damit kappt sie nicht nur auf körperlicher, sondern auch auf seelischer Ebene sämtliche natürlichen Antennen, die nicht nur der Fortpflanzung, sondern eben auch dem persönlichen und damit dem Gemeinschaftswohl dienen. Die Blutung, die bei ihrem Aussetzen einsetzt, ist nicht vergleichbar mit der natürlichen Blutung, sondern Reaktion des Körpers darauf, wieder natürlichen Zyklus einläuten zu können. Der dann natürlich durch erneute Chemiegabe künstlich wieder abgebrochen wird.

Ich selbst lehne darum die Pille komplett ab, denn für mich ist sie eine Fremdsteuerung, die meinen Körper nicht nur ungeheuer belastet, sondern mich systematisch von allem abschneidet, wovon ich lebendiger und selbstverantwortlicher Teil bin. Zweckmäßigkeit und Pragmatismus lasse ich als Argument nicht gelten, wenn es um meine Intaktheit und Selbstbestimmung geht. Ich finde es sinnvoller, harmonisch mit der Wirklichkeit umgehen zu lernen, als sie in verbogenem Sinne zu verbiegen. Und lasse mich ganz bestimmt nicht von einer linear denkenden Gesellschaft, die mit echtem Leben unvereinbar ist, per Tabletten meiner eigentlichen Macht und Fähigkeiten als Lebensträgerin berauben.

Aber das ist meine ganz persönliche Meinung, und ich werde mich hüten, sie als Forderungsmaßstab für andere in den Raum zu stellen. Jedoch denke ich, dass sie in einer Welt, die sich angeblicher Zweckmäßigkeit beugt, durchaus Anregung zum Nachdenken geben kann.

wider den totalen krieg

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Schon faszinierend, wie das Denken funktioniert. Da kämpfte sich das meine stundenlang durch überladene Dschungelpfade, ohne so recht zu wissen, was an Essenz dabei eigentlich übrigbleiben sollte - sieht man mal von der Metabetrachtung ab. Kaum ist diese in Staben gegossen und damit synaptisch befreiend zu den Akten gelegt, taucht etwas aus der Erinnerung auf, bei dem ich schon während des Drüberfliegens dachte: Lohnender Ansatz. Vor Ort ging er zugunsten anderer Prioritäten leider etwas unter. Ein Grund mehr, ihn hier nochmal aufzugreifen. Mal gucken, wohin das führt und was es mit uns macht. :o)

Dem Sinn nach erinnere ich jenen Beitrag so: Wir leben in einer Epoche, die uns erneut vor die Wahl stellt, entweder die Funktion zu verlassen oder weiterhin dazugehören zu wollen. Weiterhin: Sollte es uns nicht gelingen, die Funktion zu verlassen, liefe diese Entscheidung letztlich auf totalen Krieg hinaus.

Ich weiß nicht mehr genau, in welche anderen Denkströme dieser Gedanke eingebettet war und mag es auch nicht nochmal nachlesen. Hier soll reichen, dass er mir als merkenswert haften blieb und ich ihn als Aufhänger aufgreife, um meins daraus zu weben. Dazu ziehe ich es von der gesamtgesellschaftlichen auf die individuelle Ebene, denn im Großen kann nur greifen, was im Kleinen stattfindet. Umgekehrt wird auch ein Schuh daraus: Solange ich mich auf übergeordnete Betrachtung fixiere, bleibt es im Kleinen bei unverändert funktionsfolgender Gewohnheit.

Der selbe Sprecher äußerte sich außerdem dahingehend, dass Liebesgeschichten ziemlich langweiliges, weil längst in allen Varianten abgenudeltes Genre sind, das immer selben Mustern folgt. Ich kann ihm da nur zustimmen. Die Liebe selbst ist nicht langweilig, Liebesgeschichten dagegen sind es.

Bringen wir die zwei Fäden doch mal zusammen. Bietet sich an, weil Liebe ein essentielles menschliches Thema ist, an dem sich sehr schön darlegen lässt, was es heißt, der Funktion zu folgen oder aber sich von ihr zu befreien.

Das klassische Liebesgeschichtenideal sieht so aus: Mann und Frau treffen aufeinander, verlieben sich, kommen und bleiben zusammen - bis dass der Tod sie irgendwann scheidet. Hinzu kommen quasi als Würze Hindernisse, die es zu überwältigen gilt: eventuelle Untreue und/oder Gefühlserkaltung, Krankheiten, Todesfälle, anderweitige Schicksalsschläge. Der angenommene rote Faden, sprich die Funktion, bleibt davon jedoch unangetastet. Nämlich insofern, als das Ideal weder hinterfragt noch über dieses hinausgedacht wird. Dass es beständig schmerzhaft mit Wirklichkeit kollidiert, schiebt man auf persönliche Strukturen und/oder unzuträgliche Umstände.

Praktisch sieht das wirklichkeitsfern konstruierte Romeo-und-Julia-Dilemma so aus: Die beiden hatten sozusagen Glück, dass sie noch als Kindsköppe aus dem Leben schieden, ansonsten wären sie nämlich langfristig wirklichem Leben ausgesetzt gewesen und der ganze niedliche Jugendtraum in seinen enggesteckten Vorgaben in sich zusammengefallen. Das hindert viele Menschen aber nicht, diesen Traum als Maßstab an die Realität anzulegen, denn schließlich ist nicht bewiesen, dass die beiden ihn nicht hätten retten können, wenn sie denn nur die Chance dazu gehabt hätten. Romeo und Julia entsprechen vielerorts dem Wunschtraum von romantischer Liebe und der soll bitteschön nicht zerstört werden - nicht mal, wenn er zum Preis echter Liebe erkauft wird.

Romeo und Julia sind ein sehr anschauliches Beispiel für eine lebensunverträgliche Funktion, der dennoch von vielen blind gefolgt wird. Das Ergebnis solchen Folgens ist in der Regel desaströs. Entweder bleibt man resignierend allein, nachdem das Leben die Funktion als Lüge entlarvte oder man folgt ihr weiter mit anderen 'Partnern' - solange, bis man irgendwann das, was man hat und lebt (oder eben auch nicht) für einzig mögliche Liebeswirklichkeit hält.

Gerne wird zuletzt der Liebe die Schuld für's Scheitern am falschen Ideal gegeben - die gibt's dann eben nicht. Oder sie ist nur Geißel bzw. Vorwand für individuelle Entmachtung. Ach ja, und der jeweilig traumversagende Partner ist natürlich sowieso schuld, weil er ist, wie er ist, statt so, wie er sein sollte. Diese Sicht wird dann als Realismus deklariert. Es gibt viele Menschen, die täglich dem totalen emotionalen Krieg zum Opfer fallen. Und selbst dann noch versuchen, der todbringenden Funktion zu folgen - sei es kompensierend oder projezierend.

Wie aber sieht die Alternative aus, also das Verlassen der Funktion? An ihrem Anfang steht die Erkenntnis, dass Romeo und Julia zwei egomanische Kindsköppe waren, die außer Milchbart und Unbedarftheit nichts im Säckel hatten. Natürlich waren sie verliebt - am heftigsten in die Tragik des Schicksals. Fast könnte man sagen: Was für ein Glück, dass sie so früh die Bühne verließen - unzumutbar, solche Dummheit und solchen Narzissmus an eventuelle Kinder weiterzugeben.

Was jedoch kommt nach der falschen Funktion? Und wo beginnt das eigentliche Loslassen? Ich behaupte, es beginnt beim Insichgehen. Dorthin, wo sonst niemand ist. Und auch nie jemand hinkommt. Statt davor wegzulaufen, sich abzulenken und das Glück im Außen zu suchen, gilt es zunächst, die Einsamkeit im Innen kennen zu lernen. Liebe ist unvereinbar mit Anspruchsdenken und Erwartungshaltung. Das zu realisieren, ohne darüber in Märtyrerrolle zu flüchten, ist bereits Loslassen der gewohnten Funktion. Denn da hängt ganz vieles dran.

Vor langen Jahren sagte mir mal eine Frau über ihren Gefährten: Er ist ein Workaholic und wird daran sterben - ist nur eine Frage der Zeit. Okay, lassen wir mal außen vor, dass es besonders in solchen Fällen häufiger Wunder gibt, als wir anzunehmen geneigt sind. Mir geht's um was anderes. Damals war ich noch sehr jung und entsprechend schockiert. Es kam mir unendlich gefühlskalt vor, wie sie sich ganz gelassen darüber äußerte. Und innerlich dachte ich: Warum tust du nichts dagegen? Ja, ich zog sogar den jugendlichen Torheitsschluss, dass sie ihn wohl nicht wirklich liebt. Was dden Frevel in meinen Augen noch größer machte.

Heute sehe ich es anders. Und glaube auch nicht mehr, dass es mangelnde Liebe war, die sie so reden ließ. Ihr Mann hat das Recht, sich totzuarbeiten. Und wenn er beschließt, dass er es tun will, sie kein Recht, ihn davon abzuhalten. Sie kann traurig darüber fühlen, ja. Sogar sehr. Aber das ändert nichts daran, dass es ihm freisteht und sie keinerlei Mitspracherecht in dieser seiner Angelegenheit hat. Sollte sie ihn verlassen oder daran zerbrechen - den Eindruck machte sie nicht - ist das wiederum ihr freier Entschluss. Die absolute Freiheit auf Selbstentscheidung des anderen zu akzeptieren, weil einem bewusst ist, dass Liebe weder Erwartung noch Schuld erlaubt, ist ein Verlassen herkömmlicher Funktion. Diese würde sich nämlich in solchem Fall auf Fürsorge, Rechte, Pflichten, Sehnsucht berufen. Und vermutlich nicht mit Schuldzuweisung geizen - wahlweise ans Ich oder Du.

Die Funktion verlassen bedeutet sich vom Wunschtraum weg und der Wahrheit zuzuwenden. In Sachen Liebe heißt das im Klartext, zu erkennen, was man vor sich und dem anderen als Liebe ausgibt, was in Wirklichkeit aber gar keine Liebe ist. Die Selbstlügen aufdecken, denen man aufsitzt, all die schönen Illusionen, denen man frönt, weil sie einen vor der eigentlichen Konfrontation mit sich selbst bewahren. Den Schmerz ertragen, den diese Konfrontation auslöst, wenn sich Schein von Sein zu trennen beginnt.

Das ist der Weg zur Liebe. Indem die Funktion verlassen wird, öffnet man sich dem, was ist. Und damit unendlich weitem Horizont. Wo weder Erwartungen noch festgelegte Rollengefüge herrschen, wo Liebe nicht an Vorstellungen von ihr gekettet ist, ist alles möglich. An diesem Punkt gibt es keine langweiligen Liebesgeschichten mehr, dafür spannendes Erleben. Jenseits von engherzigen Katalogen, in denen man Buch darüber führt, wieviele Erfahrungen oder auch Erfahrungsdefizite man schon hat und welche Rechte sich daraus ableiten.

Wer sich bei der Liebe an die Funktion klammert, geht zwangsläufig mit Romeo und Julia unter. Wer sich jedoch von ihr befreit, lässt die beiden aufatmend sterben und wendet sich dem zu, was echtes Leben bringt: der Selbstverantwortung. Mit ihr lässt sich nicht nur das Selbst, sondern in der Folge auch die Gemeinschaft retten.

Ich bin der Ansicht, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis so viele Menschen die Funktion zugunsten der Selbstverantwortung verlassen haben werden, dass diese sich auch für die übriggebliebenen erledigen wird.

seelenvampirismus

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Ist eine altbekannte Sache:
Wo Menschen sich öffnen, sind Seelenvampire nicht weit.
Im Gegensatz zum guten alten Herrn Dracula
leider nicht immer leicht erkennbar.
Denn zum einen gibt es verschiedene Arten
Seelenvampirismus, zum anderen verstehen
sie sich allesamt ganz wundervoll zu tarnen.
Besonders Letzteres sitzt ihnen in Fleisch und Blut,
weil sie selbst der unverbrüchlichen Meinung sind,
anteilnehmende Gutmenschen zu sein.

Tatsächlich erkennt man sie
nur an der langfristigen Wirkung,
die der Umgang mit ihnen mit sich bringt.
Was leichter klingt, als es ist.
Denn ein ganz spezifischer Schachzug
von Seelenvampiren ist jener,
sich selbst so weit aus Zwischenmenschlichem
herauszuhalten, dass man grundsätzlich das Gefühl hat,
man sei selbst und ausschließlich eigentliches Problem.
Gleichermaßen ist aber auch genau
diese anhaltende Wirkung ein Indiz dafür,
dass man es mit einem Seelenvampir zu tun hat.
Am schwierigsten sind darum die zu erkennen,
die die Kunst, den Wirt pflegend zu erhalten
und dabei dennoch beständig anzuzapfen,
ohne dass es diesem bewusst wird,
perfektioniert haben.
Gelingt kleinen Vampiren sehr viel besser als großen.

Was genau tun Seelenvampire?
Eigentlich ist es ganz einfach.
In Ermangelung eigener Lebenstiefe
entwickeln sie untrüglichen Instinkt für Menschen,
die solche mitbringen.
Da man Lebenstiefe nicht nachgeworfen bekommt,
sondern sich mittels entsprechend intensiver Erfahrungen
erarbeiten muss, sind dies oftmals Menschen,
die schon ordentlich Leidenserfahrung haben.
Niemand atmet soviel Leben ein und aus,
wie ein Mensch, der sich dessen bewusst ist,
dass er entweder letzte chance dazu hat
oder unerwartet nochmal eine neue geschenkt bekam.
Das ist die Klientel.

Sie bringt außerdem spezifisches Merkmal mit,
die sie für Seelenvampirismus anfällig macht.
Menschen mit ausgeprägter Leidenserfahrung
sind sich ihrer Stärke erst dann wirklich bewusst,
wenn sie erkennen, was sie selbst dazu beitrugen,
den Schmerz zu überwinden.
Bis dahin sind sie zwar dennoch sehr stark -
sonst wären sie ja längst nicht mehr -
empfinden sich aber selbst nicht so.
Zu gut kennen sie ihre Verwundbarkeit,
als dass sie sich unbedarft aufschwingen würden.
Und selbst, wenn sie sich ihrer Stärke bewusst sind,
macht sie das Erlebte doch sehr sensibel
für die Nöte anderer, weshalb sie vorsichtig sind,
wenn es darum geht, persönliche Urteile zu sprechen.
Zu gut wissen sie, wie leicht man sich verirren kann,
wenn man keine Tiefe kennt.
Das ist der Hals der Klientel.

Zurück zum kleinen Seelenvampir.
Mückengleich summt er durch die Gegend
und folgt dabei seinem Rüsselchen zu lohnenden Hälsen.
Er will ihnen nichts Böses tun.
Alles, wonach er giert, ist ein bisschen Naschen -
an Lebenskraft und Erfahrung, nach der er sich sehnt,
die er aber leider nicht in sich trägt.
Natürlich könnte er sich um eigene bemühen -
dazu bedarf es nicht zwingend leidvoller Umstände.
Aber ob mit oder ohne solche,
sich selbst etwas erarbeiten ist grundsätzlich
sehr viel mühsamer, als harmlos summend
dort zu partizipieren, wo die arbeit
aus welchen gründen auch immer
auf sich genommen wurde.

Sein bestes Alibi ist seine Harmlosigkeit.
So die jemand Größeres als er anzweifelt,
summt er einfach 'Ich bin klein, mein Herz ist rein',
und schon sind die Verhältnisse wieder klargestellt.
Ein fürwahr niedliches Summen,
das perfekt darauf ausgerichtet ist,
niemanden zu vergrollen, nirgendwo anzuecken.
Er lebt ja nicht nur von der Lebenskraft anderer,
sondern auch dafür, sich diese zu sichern -
das eine ist ohne das andere nicht denkbar.
Unser kleiner Seelenvampir ist ein Meister
des Tändelns und Gleichgewichthaltens.
Und so gesehen trotz seines Summens,
das eigene Lebendigkeit suggeriert,
nicht aus der Scheintotenruhe zu bringen.

Nun kann man solches Spielchen sehr gelassen betrachten.
Was soll so ein kleiner Muck schon schaden,
da er sich doch vorzugsweise Wirte hält,
die ganz andere Belastungen kennen?
Nun, zum einen ist er potentieller Virenträger.
Und selbstverständlich schon weit weg,
wenn so ein Virus mal greift -
innerlich sowieso, äußerlich meistens auch.
Nichts einfacher für das Flattertierchen,
als aus sicherer Entfernung zu trällern:
Jeder ist für sich selbst verantwortlich
und ich bin nur ein winziger Teil der großen Schöpfung -
sozusagen deren Werkzeug wider eigenen Willen,
das nur tut, was es tun muss.
Na sauber ..... wer ist schon Buddhist,
der per se Danke zur ZeZefliege sagt?

Es gibt aber noch eine andere Gefahr,
die von unserem Freund der Unverantwortung ausgeht.
Die ist subtiler, aber darum umso zuverlässiger.
Egal, wie klein eine Wunde und wie überschaubar
der Kraftablass zunächst ist - beides schwächt.
Und zwar an Stellen, wo es primär darum geht,
Stärke zu entwickeln. Wie alle Sauger
bringt auch der Seelenvampir Blutverdünner mit.
Muss man wissen, denn wenn man es nicht weiß,
sieht man die Ursache für's immer wiederkehrende Ziepen
in der eigenen schlechten Heilkraft.
Dann wundert man sich zwar,
warum die Wunde nicht endgültig ausheilen will,
aber da sie ja nicht bedrohlich wirkt
und man ganz andere Wundformate erinnert,
arrangiert man sich halt damit
und hält sie ansonsten für hausinterne Angelegenheit.
Oft reicht es völlig, dass er an noch frischer Wunde
ein bisschen doller leckt -
so ganz selbstverständlich und beiläufig.
Mitten im Heilungsprozess naheliegende Methode.
Da die Wunde noch schmerzt,
fällt dem Wirt gar nicht auf, was da passiert.
Außerdem wird's mit hübschem Summen überdeckt.
Guck und hör - ist doch gar nicht schlimm .....

Wie erkennt man, dass man so ein Tierchen aushält?
Ich erwähnte es bereits eingangs:
das eigene Gefühl ist Signal,
der Rest Beobachtung und Analyse.
Die besten, weil wirkungsvollsten Signale
liefern Ausnahmesituationen,
denen der Seelenvampir mangels Tiefe nicht gewachsen ist.
In solchen hat er nur eine Chance,
unentdeckt zu bleiben:
Er muss so tun, als sei er gar nicht da.
Entweder weil er keine Zeit oder keine Möglichkeit hat,
um zu besuchen. Einfach in der Deckung abwarten,
bis sich der Wirt vom Ausnahmezustand
wieder soweit berappelt hat,
dass man dort erneut ansetzen kann,
wo man zuletzt innehielt.
Solches Verhalten fällt zwar im Lauf der Zeit
auch irgendwann auf, aber Wirte sind wie gesagt
meist gutmütige Wesen, die wenig nachtragen,
stattdessen dankbar sind, sich wieder ein Stückchen
mehr trockenes Land unter den Füßen erarbeitet zu haben.
Als kleine Zugabe trällert der Sauger vielleicht noch
beim Neuansetzen: Ich brauch dich mal ganz dringend!
Schon winken die Beschützerinstinkte
selbstvergessend wieder mit den Fähnchen.

Der größte Fehler, der einem Seelenvampir
unterlaufen kann, ist der,
naturgemäß unangemessen mitten in
noch nicht gänzlich aufgeräumte Ausnahmesituation
zu platzen, sprich, zu früh zu trällern.
Das tut dem Wirt weh, so richtig weh.
Denn nun entdeckt er die gesamte Diskrepanz,
die dem nicht wirklich harmlosen Spiel zugrunde liegt.
Mag das Saugerlein dann auch noch so inbrünstig
Good-will-Heititei summen - der Schmerz ist stärker
als die alltagstaugliche Oberflächentarnung.
Wird dem Wirt das erstmal bewusst,
sieht's schlecht aus für den lütten Energiesauger.
Dann ist nämlich nicht nur seine Tarnung hinfällig,
sondern der Wirt beginnt, sich zu erinnern
und Eins und Eins zusammenzuzählen.
Er streicht die Tarnung, den Blutverdünner Schuldgefühl,
das Beruhigungssummen, ergänzt langfristige
Beobachtungen - kleine wie große.
Und siehe da, übrig bleibt ein kleiner Seelenvampir,
der im Lauf der Zeit ziemlich viel aufsog,
ohne sich darüber je selbst weiterzuentwickeln.
Er bereitete einem durchaus Freude,
aber echte, weil fühlbare Seelenstärkung
hat man eigentlich nie erhalten.
Die erhält man ja nicht durch die Versicherung,
dass man gebraucht wird.
Auch nicht durch reizenden Schnickschnack
oder geträllerte Oberflächenbstätigung.
Nein, Seelenstärkung erhält man dort,
wo einen jemand an seinem Entwicklungsbemühen
teilhaben lässt - solchem, das stattfindet.
Wo echte Anteilnahme gezeigt,
statt flinker Konserventrost gezückt wird.
Kurzum, wo jemand sich für andere wirklich öffnet,
statt an diesen nur dort zu partizipieren,
wo dies die eigene Stagnation füttert und absegnet.
Und sich abwendet, wo ernstnehmende Hinwendung
ganz selbstverständliche Handreichung
einer tragfähig liebevollen Bziehung wäre -
so es diese denn gäbe und nicht nur Parasitentum.

Angesichts dieser Überlegungen ziehe ich Schluss:
Mag es auch lange dauern,
einen Seelenvampir zu erkennen;
egal, wie klein und süß und vertraut er wirkt -
es ist nie zu spät, ihn abzuschütteln.
Solche Wesen braucht einfach niemand wirklich.
Sie säen nicht, sie ernten nur -
nicht, weil Gott sie ernährt,
sondern weil sie sich nehmen,
wovon sie glauben, dass es ihnen zusteht.
Was sie dagegen geben, fällt unter verzichtbar.
Einmal erkannt, hat man schon wieder Ballast weniger.

nebel

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Alle waren sie hier zusammengekommen,
um herauszufinden, was man ihnen angetan hatte.
Damals, als sie sich noch nicht wehren,
nur hilflos zur Kenntnis nehmen konnten,
dass irgendwas nicht so war, wie es sein sollte -
und sowohl Schuld wie Gutmachung bei sich suchten.
Das gemeinsame Anliegen verband sie.
Dennoch fühlte er sich wie immer randständig.

Die Menschen um ihn herum wussten, woran sie litten.
Der Kampf in ihren Familien war offensichtlich gewesen,
sie selbst ebenso offensichtlich wehrlose Opfer.
Bei ihm war das anders.
Wo sie wussten, herrschte bei ihm Nebel.
Der Kampf hatte sich außerhalb seiner selbst abgespielt,
er hatte 'nur' indirekt darunter gelitten.
Da war niemand, dem er vorwerfen konnte,
seine Aggressionen an ihm ausgelassen zu haben.
Kaum ein Ereignis, das sich auf ihn selbst bezogen hatte.
Niemand, dem er Schuld antragen konnte,
den er verantwortlich für seinen Unfrieden machen konnte.
Alles, was er wusste, war,
dass er nicht glücklich mit sich war
und sein Leben unzuträglich weit von dem entfernt,
das er gerne geführt hätte.

Die anderen ließen sich fallen,
gingen zielstrebig an jenen unglückseligen Ort,
der seinerzeit über ihr Leben entschieden hatte.
Sie waren fest entschlossen,
diesem endlich andere Wendung zu geben -
selbstbestimmte.
Seltsam hilflos saß er daneben,
fühlte seine Einsamkeit stärker als je zuvor.
Im Lauf der Tage nahm das randständige Gefühl
immer mehr zu -
so intensiv wurde es, dass es ihn schließlich fast zerriss.
Da war was, er spürte es in jeder Faser - nur was?
Irgendwann konnte er es nicht länger ertragen.
Und in dem Augenblick, da seine Beherrschung
vor der Intensität seines Fühlens in die Knie ging,
erkannte er endlich seinen Weg:
Durch eben diesen Schmerz musste er hindurch.

Zum ersten mal im Leben entzog er sich bewusst.
Während sich die anderen gegenseitig halfen
und unterstützten, setzte er sich ab.
Er konnte ihre Stimmen hören, ohne sie zu verstehen.
So wie damals, als er auch nur Stimmen hörte,
die - ihn ausschließend - in seine Seele einbrachen.
Hatte er sich ihnen genähert, waren sie verstummt
und hatten ihn zum Eindringling gemacht,
dem nicht zustand, mehr als nur Klangfarben zu erfahren,
die ihn düster durchtränkten.
Er war nur der unbedeutende Kollatoralschaden
des Familienkrieges gewesen.

Stunde um Stunde saß er allein
und ertrug erstmals bewusst,
was er sein Leben lang unbewusst hatte ertragen müssen.
Dann endlich fand er seinen Beschluss.
Er würde dem Kampf,
der ohne ihn über ihn hinweg stattgefunden hatte,
endlich auf den Grund gehen.
Ungeachtet der Schuldgefühle,
die man ihm eingepflanzt hatte
und die ihm in jedem Moment seines Lebens suggerierten,
er habe kein Recht, zu erfahren,
was ihn offiziell beschlossen nichts anging.
Er würde sich nicht länger vom Verständnis und Mitgefühl
für die angeblich hilflosen Protagonisten
blenden lassen, dienie nach ihm gefragt,
noch sich und ihr Tun hinterfragt hatten.
Keinen Moment länger war er bereit,
sich mit der Rolle des Sohnes zu bescheiden,
die man ihm vor langer Zeit ins Herz geschrieben hatte.
Oh ja, er würde Fragen stellen - unbequeme Fragen.
Solche, die an authentische Wand drängten,
weil sie kein Ausweichen in gewohnte Muster zuließen.
Er wollte endlich wissen,
warum es für die Beteiligten wichtiger gewesen war,
Krieg zu führen, als sich dem Leben zuzuwenden.
Warum sie nicht für dieses -
ihres und das seine -
geämpft, sondern sich damit beschieden hatten,
dass Krieg unumgänglich war.
Sie alle hatten sich vor der Bilanz gedrückt -
nun war es an ihm, sie zu erstellen.
Nur so würde er die festgefügten Schablonen,
welche sein Dasein darstellten und denen er
allenfalls temporär zu entfliehen vermochte,
endlich in das verwandeln,
wonach er sich am meisten sehnte:
fühlbar lebendiges Wachstum seiner selbst.

Noch immer tönten die Stimmen zu ihm.
Aber jetzt waren es nur noch Stimmen
und kein Pendel mehr, dem er hilflos zusah,
wie es sich immer tiefer auf ihn senkte
und sein fremdbestimmtes Leben bedrohte.
Er atmete tief durch.
Dann ging er zu den anderen zurück.

Von der Liebe

.
Wenn die Liebe Dir winkt, dann folge ihr,
sind ihre Wege auch schwer und steil.
Und wenn ihre Flügel Dich umhüllen,
gib Dich ihr hin,
auch wenn das unterm Gefieder
versteckte Schwert Dich verwunden kann.

Und wenn sie zu Dir spricht, glaube an sie,
auch wenn ihre Stimme
Deine Träume zerschmettern kann
wie der Nordwind den Garten verwüstet.

Denn so, wie die Liebe Dich krönt, kreuzigt sie Dich.
So wie sie Dich wachsen läßt, beschneidet sie Dich.
So wie sie emporsteigt zu Deinen Höhen
und die zartesten Zweige liebkost,
die in der Sonne zittern,
steigt sie hinab zu Deinen Wurzeln
und erschüttert sie in ihrer Erdgebundenheit.

All dies wird die Liebe mit Dir machen,
damit Du die Geheimnisse Deines
Herzens kennenlernst
und in diesem Wissen
ein Teil vom Herzen des Lebens wirst.

Aber wenn Du in Deiner Angst nur die Ruhe
und die Lust der Liebe suchst,
dann ist es besser für Dich,
Deine Nacktheit zu bedecken und vom
Dreschboden der Liebe zu gehen,
in die Welt ohne Jahreszeiten, wo Du
lachen wirst, aber nicht Dein ganzes Lachen,
und weinen, aber nicht all Deine Tränen.
Liebe gibt nichts als sich selbst
und nimmt nichts als von sich selbst.

Liebe besitzt nicht, noch läßt sie sich besitzen;
denn die Liebe genügt der Liebe.
Und glaube nicht, Du kannst den Lauf der Liebe lenken,
denn die Liebe, wenn sie Dich für würdig hält,
lenkt Deinen Lauf.
Liebe hat keinen anderen Wunsch,
als sich zu erfüllen.

Khalil Gibran

ausweg

.
Niemand ist so blind gegenüber dem Schmerz anderer,
wie Mensch, der vor dem eigenen wegläuft.
Indem er den seinen zum Gegner erklärt,
dem er in der Hoffnung, er würde sich von alleine auflösen,
nicht ins Auge zu sehen wagt,
erklärt er ebenso augenverschließend
jene Mitmenschen zum Gegner,
die sich dem ihren stellen und zu ihm stehen.
Geht gar nicht anders, solange er flüchtet.

In diesem Zusammenhang ein Wort zum Begriff 'Gegner'.
Keinesfalls ist er auf schlichtes Verständnis zu reduzieren,
vielmehr bezeichnet er ein Verhalten,
das u.U. sogar entgegen bester Absichten
ablehnend und / oder verweigernd reagiert -
schlichtweg, weil sich der Betreffende bedroht fühlt.
Allein diese Bedrohung einzugestehen,
käme einem Zugeständnis an den Innengegner gleich,
weshalb sie in der Regel verleugnet und kaschiert wird.
Reiner Eigenschutz.
Und während man glaubt, dass man gewinnt,
weil man vermeintliche Bedrohung besiegt,
verliert man in Wirklichkeit.

Was man verliert?
Die Verbundenheit, nach der man sich sehnt.
Alibis, warum der Verlust unumgänglich scheint,
finden sich zuhauf.
Doch wie überzeugend diese auch immer sein mögen,
den Schmerz verringern sie nicht.
Ganz im Gegenteil vergrößern sie ihn.
Und schaffen so noch mehr Gegnerschaften.
Außer man unterbricht den Teufelsreis,
weil man angesichts des Schmerzausmaßes
endlich den Mut und Willen findet, etwas anderes zu wollen.
Nämlich Selbstheilung.

Durch den Schmerz gehen
bedeutet nicht, sich ihm blind hinzugeben,
um ihn, sobald er zu stark wird, wieder zu verdrängen.
Durch den Schmerz gehen,
heißt die Augen öffnen und nach seinen Wurzeln suchen.
Dorthin zurückgehen, wo er in die Seele gepflanzt wurde.
Und sich ihm dort stellen – ohne schonende Rationalisierung,
ohne Verband, der ihn erneut unterdrückt,
ohne Ausrede und Alibi dafür, die Suche abzubrechen.

Die Angst davor und die Abwehr dagegen
sind viel schlimmer als das Abenteuer selbst.
Wer es wagt, stellt fest, dass es gar nicht schwer ist,
an jener Kreuzung der Vergangenheit
das weinende Kind an die Hand zu nehmen
und mit ihm anderen Weg zu gehen,
als den, auf dem es sich seinerzeit verrannte.
Und des weiteren merkt er auf diesem,
dass er nicht länger allein unterwegs ist,
wie er es auf dem anderen Weg letztendlich immer war.
Er trifft auf Menschen,
die sich ebenfalls nicht länger belügen wollen,
weil sie erkannt haben, dass darin keine Lösuing liegt.
Und diese sind keine Gegner mehr,
an denen man sich mit welcher Zielrichtung auch immer misst,
sondern Reisegefährten,
denen man sich zuinnerst verbunden fühlt,
weil man um ihren und den eigenen Weg weiß.

Ich habe heute solchen Menschen getroffen.
Zu behaupten, dass ich ihn immer schon
als verbundenen Reisegefährten sah, wäre gelogen.
Dazu war ich seinerzeit viel zu sehr
in meinem eigenen Schmerzgefüge verfangen.
Erkenne ich erst heute und kann es so offen
auch erst heute zugeben.
Aber dieser Mensch wich mir nicht aus,
ganz im Gegenteil suchte er meine Nähe.
Dabei muss er gespürt haben,
dass Teil von mir reservierten Abstand hielt.
Indem er sich mir dennoch beharrlich öffnete,
kann ich auf einmal darauf verzichten,
seinen Schmerz vor mir zu relativieren,
weil ich mich anders nicht sicher genug fühle.
Verbunden fühlend auf ehrlichem Weg -
und dennoch jeder er selbst.
Eine wirklich wohltuende Erfahrung.

geschafft!

.
gestrüpp gerodet, marienkäfer gerettet,
schwere pötte geleert, alt-erde und viel laub entsorgt,
rosen zurückgeschnitten, kästen frisch bepflanzt,
unglaubliche sauerei in der küche veranstaltet
und wieder bereinigt ..... redlich geschafft!

nu blüht's oben schon ein bisschen

geschafft_2

unten inspiziert mein-kata

geschafft_3

und meinereine genoss trotz schauerwetter
erste freiluftpause des jahres.

geschafft_1

sommeraussaat dann ende der woche.
uiiii, es freut wieder rauszugucken. :o))

licht - schatten

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angestrahlt

licht2

beleuchtet

Eigentlich sollte man...
Eigentlich sollte man annehmen, dass Menschen, die...
die_huepfdohle - 8. Jul, 22:51
erschreckend? inwiefern? eigentlich...
erschreckend? inwiefern? eigentlich liegt doch große...
Sun-ray - 8. Jul, 22:43
fänd ich noch viel...
fänd ich noch viel besser! :o))
Sun-ray - 8. Jul, 22:39
Ich stimme deiner Vermutung...
Ich stimme deiner Vermutung zu! Und ich find es manchmal...
die_huepfdohle - 8. Jul, 22:38
:~) Oder am WE vis a...
:~) Oder am WE vis a vis :~)
sa_e_touran - 8. Jul, 22:30
wäre vielleicht...
wäre vielleicht wirklich das beste. nur bitte...
Sun-ray - 8. Jul, 22:17
unglaublich - jetzt spielt...
unglaublich - jetzt spielt dieser unbekannte mensch die...
Sun-ray - 8. Jul, 21:47
klar
. es hat abgekühlt. und geregnet. ganz klar ist...
Sun-ray - 8. Jul, 21:45
ach, könntst mich...
ach, könntst mich ja mal beißen lassen ja,...
eisenia - 8. Jul, 21:18
Wie wärs denn mal...
Wie wärs denn mal mit Telefon, liebe Sunray ? :~)
sa_e_touran - 8. Jul, 21:16
und für den fall,...
und für den fall, dass du nicht verstehst, was...
Sun-ray - 8. Jul, 20:58
Hmmm ... vielleicht doch...
Hmmm ... vielleicht doch mal Telefon ?
sa_e (anonym) - 8. Jul, 20:57
schade, dass du es nur...
schade, dass du es nur unter dem ego-gesichtspunkt...
Sun-ray - 8. Jul, 20:43
wieder daaa ..... jajajaaaa...
wieder daaa ..... jajajaaaa ..... giggel und unterbreite...
Sun-ray - 8. Jul, 20:23
Schade, meine Liebe,...
Schade, meine Liebe, daß Du auf sowas hoffst. Nicht,...
sa_e_touran - 8. Jul, 20:15
wieder da! wie schön! ich...
wieder da! wie schön! ich drück dich! deins. freude...
eisenia - 8. Jul, 19:47
ich verlier die hoffnung...
ich verlier die hoffnung nicht, dass du es irgendwann...
Sun-ray - 8. Jul, 19:38
war auch nicht wirklich...
war auch nicht wirklich gut - aber das dafür voll...
Sun-ray - 8. Jul, 19:37
Was Du immer aus meinen...
Was Du immer aus meinen Ausrufezeichen machst ... Ist...
sa_e_touran - 8. Jul, 18:57
Oh wie schön - Du...
Oh wie schön - Du lebst wieder. Das hat ja gestern...
steppenhund - 8. Jul, 15:52

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