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Mein gesamtes bisheriges Wissen über Chihuahuas
ließ sich bislang bequem im Knopfloch unterbringen.
Tatsächlich bezog ich es aus einem der
früheren Lieblingsbücher -
Buntspecht.
Übrigens immer noch ein köstlich Büchlein ..... :o)
Aus diesem jedenfalls erfuhr ich seinerzeit,
dass ein Chihuahua vor allem geräuschvoll zum Zittern neigt
und ansonsten zuverlässig seinen Geist aushaucht,
sobald man sich irrtümlich auf ihn setzt
oder auch nur einen Klavierdeckel unbedacht zufallen lässt.
Irgendwas mit Klavier oder Klavierhocker war da jedenfalls.
Seit heute weiß ich mehr. Jawoll.
Denn seit heute kenne ich Kalle.
Und das kam so.
Eigentlich wollte ich in dem kleinen Tierbedarfsladen,
der außerdem second-hand-mäßig Krimskrams anbietet,
nur Vitaminpaste für mein-Kata erstehen.
Weil er so süchtig danach ist,
dass er mich den ganzen Tag vorwurfsvoll anguckt,
wenn er keine zum Frühstück kriegt.
Ich denk also nur an wertvolle Tube und geliebten Suchtbolzen
und öffne ganz unbedarft die Ladentür.
Weia! Fast wär ich rückwärts wieder rausgetaumelt.
Lautstärke und Zorn nach, erwartete ich
mindestens wütigen Dackel, spontan eigentlich Schlimmeres.
Und was war?
So was ganz Winziges mit wehenden Ohren
und blauem Plüschpullöverchen griff mich
todesmutig aus dem Ladenhinterhalt an.
Also nicht wirklich, denn direkt vor meinen Füßen
fiel dem Knirps anscheinend ein,
dass meine Größe wohl doch unter seiner Würde ist.
Jedenfalls blieb er abrupt stehen,
belferte noch ein bisschen, guckte mich dann
mit großen Knöpfen an und zitterte am ganzen Leib.
Nu wusst ich nicht so recht -
sollte ich seiner Imposanz schweigend Achtung erweisen
oder durfte ich es wagen, vor ihm in die Knie zu gehen?
Davon stand nichts in dem Buch. Oder doch?
Wie auch immer, ich hielt mich vorsichtshalber
erstmal an sein Frauchen, die Ladenbesitzerin -
in der Hoffnung, er würde sich dann soweit beruhigen,
nicht mehr wie Espenlaub zu zittern.
Sein Frauchen dagegen zitterte nicht,
redete dafür umso lieber.
Ruckzuck wusste ich, dass die Bonsai-Hütebestie Kalle heißt.
Und auch sonst eine ganze Menge über ihn.
Prompt stand ich vor dem nächsten Dilemma:
Was sagt man zu einer stolzen Chihuahua-Halterin,
wenn alles, was einem spontan einfällt,
eher was mit Klavieren und Hündchenableben zu tun hat?
'Ist der aber süß!' wollte ich weder mir noch ihr antun -
Kalle schon gar nicht.
Also entschied ich mich für beherzte Improvisation.
Fixiert von zwei unsicher dreinblickenden Äuglein,
gab ich mit verschwörerischem Blick in selbe zurück:
'Sooo klein und sooo charakterstark - beeindruckend!'
Das war immerhin nicht gelogen, fand ich nämlich wirklich.
Seinem Frauchen allerdings war das anscheinend neu.
Unverhofft brach ihr Redeschwall ab,
und sie guckte nun ihrerseits verdutzt auf das Zitter-Zwerglein.
Fing sich aber recht schnell wieder und berichtete stolz,
dass er es mit jeder Katze und jedem Hund aufnähme -
obwohl alle größer seien als er.
Nein, ich erzählte ihr nicht,
zu welchen Geräuschen, notfalls auch Tätlichkeiten
mein-Kata fähig ist, wenn ihn jemand enervierend ankläfft.
Stattdessen beschloss ich, dass wackerer Kalle
niemals Gelegenheit zu Gegenbesuch haben würde -
ihm zuliebe.
Und hockte mich zwecks Trost dann doch neben ihn.
Da muss man ganz schön tief runter gehen.
Und Streicheln ist auch nicht wirklich einfach,
wenn da nur winziges Köpfchen samt Zahnstocherbeinchen
aus dem blauen Plüsch gucken.
Ich beschränkte es auf einen Finger unterm zarten Kinn -
fand er gut. Denk ich jedenfalls, weil das Zittern nachließ.
Doch mittendrin im Vergnügen öffnete sich leider die Tür
und ein - darf ich sagen richtiger? - Hund kam herein.
Ist nicht bös gemeint, sah einfach so aus.
Prompt ging Kalle wie von der Tarantel gestochen
auf Artgenossen los, der ihn um mindestens
drei Stockwerke überragte.
Ich gestehe, ich bin geflüchtet.
Irgendwie wollte ich nicht miterleben müssen,
wie Kalle einen großen Hund niedermacht.
Hoffentlich erkennt er mich beim nächsten Treffen wieder.