tiefsee
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Die Erziehung zu Contenance ist eine gewaltorientierte, die darauf abzielt, dass der Zögling (ja, das Wort passt) zugefügten Schmerz mit lächelndem Entgegenkommen wahlweise kühler Distanzierung zu beantworten lernt. Andere Antwortmöglichkeiten werden verhindert, indem sie als Ausdruck verachtenswerter Schwäche deklariert werden, die noch schlimmere Verletzung mit sich brächte, als die, welche er zu seinem angeblich Besten in Kauf zu nehmen hat. Die einzige Chance des Zöglings, Achtung und Respekt vor sich und anderen zu erhalten, liegt darin, Spiel, das keines ist, mitzuspielen - koste es, was es wolle.
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soviel zum auftakt.
wird wohl ein langer und intensiver samstag.
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draußen war mittsommernacht,
drin wurde jemand krank.
mal wieder zuviel aufgeladen.
erst tun die ohren weh,
weil man's nicht mehr hören kann.
dann der schlund,
weil genug geschluckt wurde.
endlich geht einem die luft aus.
dann träumt man stundenlang
über die metaphysik des verbs 'sein'
in dessen sämtlichen konjugationen
und wacht irgendwann zerschlagen
in dem wissen auf,
dass man an irgendeiner stelle versäumte,
die bremse zu ziehen.
ich hätte lieber spazierengehen sollen.
ächz .....
Schon den ganzen Nachmittag sitze ich auf meinem Bett.
Sehr ungewöhnlicher Platz für mich.
Die Vorhänge sind zu und wehen im Wind.
Am anderen Ende des Bettes
lehnt noch der Fotografierspiegel.
Ich muss mich neu kennenlernen.
Wichtiger noch:
Mit dem versöhnen, was ich mir antat.
Natürlich steht's mir.
Aber ich kann es nicht leiden.
Und weiß jetzt auch wieder, warum.
Es ist nicht meins.
All die hart erzwungenen Konturen,
nichts, das sich bewegt und mitgeht,
nichts, mit dem ich spielen kann.
Einfach nur fader akkurater Jägerzaun.
Der Glanz, der mich jeden Tag entzückte,
das ganze unberechenbare Lichtspiel -
alles weg. Tabula rasa.
Und es wird sehr lange dauern,
bis ich wieder dort bin, wo ich bin.
Ach Weib, du wolltest es halt mal wieder wissen.
Okay, soviel zu den Tränen.
Ich kann unmöglich die nächsten Jahre
hinter geschlossenen Vorhängen
im Bett verbringen.
Geschweige denn mit einem Spiegel vor der Nase.
Wird Zeit für den Nothumor.
Hätte ich ein entsprechendes Halsband,
gäbe ich mit der Facon ne klasse Domina ab.
Scheiße - falscher Ansatz .....
schnell andere Richtung,
sonst brech ich doch noch in Tränen aus.
Also suchen wir das Positive.
Hm.
Wenn ich auf weiteres Zurückschneiden verzichte,
kann ich mir vielleicht im Herbst
schon wieder Seitenscheitel ziehen.
Nee, wird wohl nicht klappen -
dazu sind diese Locken einfach zu widerspenstig.
Ich fang doch nicht wieder mit Gel
und solchem Mist an.
Auch kein brauchbarer Ansatz.
Da am Äußeren bis auf weiteres
nicht zu rütteln ist, verlege ich mich mal
auf das innere Geschehen.
Wenn ich's doch nur könnte!
Mit der Frisur riechen höchstens Hunde an mir.
Ich darf gar nicht dran denken.
Also Weib, was haste gelernt
aus dieser eigentlich vermeidlich gewesenen Episode?
Bei der nächsten Abfahrt Marke
'Och, mal gucken, was das mit mir macht'
stellst du es dir bitte vorher bildlich vor.
Und hörst auf deine Innenstimme,
statt auf Stimmen, die nicht deine sind.
Wie peinlich, so alt zu werden,
um da nochmal durchzumüssen!
Als hätt ich nicht längst genug
entsprechende Erfahrung im Säckel.
Wo also geht's lang,
um aus dem Elend Tugend zu schnitzen?
Ich konzentriere mich auf Mimik und Augen.
Der Mund kommt jetzt auch besser zur Geltung.
Eigentlich war ich glücklich mit meiner Weiblichkeit -
nu muss ich wieder zurück zum Koboldwesen.
Verdammte Axt aber auch .....
Ich werd mir jetzt einen großen Brandy genehmigen.
Entweder sorgt der dafür, dass ich solange heule,
bis ich nicht mehr heulen kann.
Oder er schenkt mir die Prise Humor,
die gerade sowohl nicht vorhanden
wie dringend notwendig ist.
Innere Werte - gute Güte, bin ich Nonne oder was?
Nein, ich weise keine Schuld zu.
Außer natürlich der, die in meinen Schuhen lungert.
A propos:
So ne Frisur und spitze Pumps -
boah, wird mir grade schlecht .....
Her mit dem Brandy, aber ganz flink!
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was soll das für rücksichtnahme sein,
die selbstverbiegend verschönleugnet, was ist?
was für ein realitätssinn,
der lüge zur wahrheit stilisiert?
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ich schau tausendgrünfachem tanz
der linden in wind und sonne zu.
und alles ist gut, weil vielfach und -schichtig.
ein kind fällt hin und weint -
ich heb es auf und spreche trost.
bis es schniefend lächelt.
die verrückte frau im café -
engelsgeduld ist mir eine ehre.
doch dann treffe ich
auf angeblich mündige menschen,
und die welt wird umgehend flach.
da hilft kein schütteln und kein klopfen,
in die hose geht der letzte tropfen.
fass uns vorsichtig an, wir bestehen darauf.
denn wir sind sensible unguttuer,
empfindliche nichtseher aus zartem granit.
aber wage niemand, uns das zu sagen -
wir wollen es nicht wissen!
zu allem darfst du herzlos sein,
aber auf keinen fall ehrlich zu uns.
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himmel, ist das krank .....
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wer ich bin, mir das recht zu nehmen,
solches zu behaupten?
eine, der eben noch das herz
über linden, weinendem kind und verrückter aufging
und die kurz danach angebliche normalität erlebte.
reicht völlig als legitimation.
diese welt ist ein geschlossenes spital
und sämtliche irre haben ausgang.
möge der himmel die verrückten beschützen.
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lieber himmel,
siehst du mein weinen und ringen?
es gibt dich - unzweifelhaft.
und du bist gut - auch daran zweifle ich nicht.
aber warum um alles hast du nicht interveniert,
als die menschen sich dem tod zuwandten?
keine ahnung, wann das war.
ich weiß nur, dass sie es
seitdem immer wieder tun.
mit bitte um fronturlaub.
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nicht können
nicht dürfen
nicht sollen
nicht haben -
nur sein.
reicht das?
wenn ja, wofür?
und wofür nicht?
er wandte sich
an den himmel
und fragte: warum?
verzweifelte rhetorik
des müssens.
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"Pssst, ich verrate dir ein Geheimnis",
wisperte das Fröschlein leise.
"Wir Froschwesen träumen nie von Prinzen.
Das tun nur Menschen, die glauben,
dass die Welt so bleibt, wie sie ist.
Wir dagegen träumen die Welt,
wie sie werden will."
Mögen sie auch recht haben -
Frösche leben nicht in Bleikammern.
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angefüllt bis zum seelenrand
mit bildern, ängsten, werturteilen,
die allesamt nicht meine sind
mich aber dennoch treffen,
träume ich verzweiflungstraum.
ich sehe felder, hügel und wälder
und mein herz hüpft ob des wiedersehens.
bis mir einfällt, dass alles,
womit ich heimat verbinde,
vergiftete vergangenheit ist.
schau lieber nicht hin, es tut nur weh.
für nichts.
ich wache auf und weiß:
dort wie hier bin ich nicht.
mein blick
fällt auf die häuserfront gegenüber.
nicht richtig, nicht ganz, nicht ich.
ich muss dahin zurück,
wo ich noch nie war.
und weiß nicht, wie.
gelähmter raum.

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contenance ist was feines.
hält sich bedeckt, wenn sturm herrscht,
unter jedweden umständen gefasst.
bleibt die frage, was das empire tatsächlich nutzte.
vermutlich hätte es nicht mehr erreicht,
wenn es aufbrausend gewesen wäre.
aber vielleicht wäre in solchem fall
auch weniger mehr gewesen.
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stimmt schon - kritik allein ändert nichts.
unbrauchbares aufbegehren der hilflosen;
bekenntnis, dass die mittel ausgegangen sind.
und doch lässt sich don quichote nicht leugnen.
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da ist dieses würgen in meinem hals.
schon klar - hätte ich zielgerichtet zu tun,
gäbe es genug, das es erstickt.
insofern selber schuld, wenn's würgt.
doch ändert das was am anlass?
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natürlich gibt es lichtblicke.
sie sind wundervoll,
weil reich an kraft und hoffnung.
nie würde ich sie leugnen.
aber da ist der stumpfe sumpf.
der ist einfach größer.
und meinereine nicht stark genug,
ihm permanent liebevoll zuzuzwinkernd.
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angegriffen fühlen sich vermutlich die falschen -
zeitgenossen, die ich gar nicht meine.
sei's drum.
geht mir oft genug nicht anders.
da muss man durch, da hilft sonst nix.
jeder endet zuletzt bei sich selbst.
ich bin keine ausnahme.
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viel lieber würde ich blumen malen.
'warum tust du es nicht?' -
fragt die leise stimme.
'weil mit blumenmalen nichts anders wird',
antwortet ergraut die laute,
'es beschönigt nur, was nicht schön ist.'
'wenn du dich da mal nicht täuschst',
raunt das stimmchen.
'schau dich doch bitte um', belfert die andere.
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wo bitte ist der nichtschaden,
wenn man nicht mehr weiter weiß?
im urteilsspruch?
starke geste ..... die kann ich auch.
tibet ist verlorener boden,
und die kanzlerin hält reden
in angemessen ergriffenem ton anderswo.
was für eine welt .....
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sieht aus, als hätte ich heut losgelassen.
anders kann ich mir nicht erklären,
was in den letzten stunden passiert ist.
mir ist ein bild aus den sinnen gewachsen,
das so unglaublich ist, dass ich es
nur fassungslos anschauen kann.
mich schauerts am ganzen körper.
ein bild, das nach spiegelschrift schreit.
gute güte .....